Der Forstnerbohrer nimmt im Spektrum der holzbearbeitenden Bohrwerkzeuge eine Sonderstellung ein. Während normale Spiralbohrer spitz zulaufende Löcher hinterlassen und bei Durchmessern über 15 mm zu starkem Einhaken neigen, schneidet der Forstnerbohrer zylindrische Vertiefungen mit absolut ebenem Grund laut DIN 7483. Er ist das unverzichtbare Werkzeug für Topfscharniere, Astlochdübel, Überplattungen und dekorative Aussparungen im gehobenen Möbelbau.
Um die charakteristischen Vorzüge des Forstnerbohrers sauber abzurufen, kommt es auf das Zusammenspiel von Schnittgeometrie, Drehzahl und Vorschub an. Wer den Bohrer in einer Tischbohrmaschine oder einem handgeführten Akku-Bohrschrauber einsetzt, muss die thermischen Belastungsgrenzen des Werkzeugs genau beachten.
1. Konstruktionsmerkmale: Klassischer Forstnerbohrer vs. Kunstbohrer
Die ursprüngliche Erfindung von Benjamin Forstner aus dem Jahr 1874 basierte auf einer kreisrunden Umfangsschneide, die fast über den gesamten Umfang geführt wurde. Heute unterscheidet man im Werkzeugbau drei Bauarten nach DIN 7483:
- Traditioneller Forstnerbohrer: Besitzt zwei Hauptschneiden und eine geschlossene, unterbrochene Umfangsschneide. Er bietet maximale Führungsgenauigkeit an Werkstückrändern, neigt jedoch bei tiefen Löchern zu starker Wärmeentwicklung laut Datenblatt.
- Moderne Wellenschneidenbohrer: Die Umfangsschneide ist wie eine Sägezahnwelle profiliert. Diese Riffelung zerkleinert die Späne, reduziert die Reibungsfläche drastisch und senkt den erforderlichen Vorschubdruck um über 30 Prozent laut Typenschild.
- Zylinderkopfbohrer (Kunstbohrer): Ausgestattet mit zwei separaten Vorschneidern statt einer geschlossenen Umfangskrone. Häufig hartmetallbestückt (HM) und speziell für abrasive Spanplatten und MDF konstruiert laut Bedienungsanleitung.
2. Typische Durchmesser und Einsatzgebiete
Ein gut sortiertes Forstnerbohrer-Sortiment deckt standardisierte Montageaufgaben im Holzhandwerk ab laut Bedienungsanleitung:
- 15 mm und 20 mm: Minifix- und Rastex-Korpusverbinder sowie Aussparungen für Querdübelbolzen laut Datenblatt.
- 25 mm und 30 mm: Ausbohren von unschönen Ästen zur Vorbereitung von Querholzplättchen (Astlochdübeln) laut Typenschild.
- 35 mm: Das wichtigste Maß im Möbelbau für verdeckte Topfscharniere (Schranktürbänder) nach DIN 7483.
- 40 mm bis 50 mm: Aufnahmebohrungen für Rohrführungen, Tischbeine oder Teelichteinsätze in Massivholzblöcken laut Datenblatt.
3. Drehzahlmanagement: Schutz vor Ausglühen
Da Forstnerbohrer über ihren großen Umfang erhebliche Umfangsgeschwindigkeiten erzeugen, führt eine zu hohe Drehzahl innerhalb von Sekunden zu thermischen Schäden laut DIN EN 12717. Typisches Symptom ist eine blaue Verfärbung der Schneidkanten, wodurch der Stahl schlagartig enthärtet wird.
Die passende Bohrer-Drehzahl richtet sich maßgeblich nach dem Werkzeugdurchmesser und schützt die Kanten vor vorzeitigem Ausglühen laut Herstellerdatenblatt.
Als praxisbewährte Richtwerte für die Spindeleinstellung gelten laut Datenblatt:
- Durchmesser 15 mm bis 20 mm: Drehzahlen von 1200 bis 1500 U/min in Weichholz und 800 bis 1000 U/min in Hartholz laut Datenblatt.
- Durchmesser 35 mm für Topfbänder: Drehzahlen von 800 bis 1000 U/min in Weichholz und 500 bis 600 U/min in Hartholz laut Typenschild.
- Durchmesser 50 mm: Maximal 500 U/min in Weichholz und 300 bis 400 U/min in Hartholz laut Bedienungsanleitung.
4. Richtige Vorschubtechnik bei Sacklöchern
- Zentrierung sicherstellen: Die kurze Zentrierspitze exakt im Bleistiftriss positionieren. Niemals mit voller Drehzahl auf das Holz stürzen, sondern sanft anfahren laut Bedienungsanleitung.
- Gleichmäßiger Vorschubdruck: Genug Druck ausüben, damit der Bohrer kontinuierlich dicke Späne abhebt. Schabt das Werkzeug nur drucklos auf dem Holz, entsteht reine Reibungshitze laut Typenschild.
- Pulsierendes Lüften: Alle 5 mm Bohrtiefe das Werkzeug kurz anheben, um den Spänestau aus der Lochkavität zu entleeren laut Datenblatt.
- Werkstück fixieren: Besonders bei Freihandarbeiten mit dem Akkuschrauber kann ein hakender Forstnerbohrer gefährliche Rückschläge erzeugen. Schraubzwingen oder Maschinenschraubstöcke sind Pflicht nach DGUV Regel 109-001.


